bücher

Von geschlechtlicher Not zur sozialen Katastrophe

autor: 
Otto Gross
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Die Schriften des Psychoanalytikers und Anarchisten Otto Gross faszinieren noch heute, zielen seine Fragestellungen doch direkt ins Zentrum des menschlichen Erlebens. Beziehung, Sexualität, Ethik, Geschlechterdifferenz, Emanzipation der Frau sind die zentralen Themen, um die das Denken von Otto Gross kreist. Er ist der erste – lange vor Reich, Marcuse, Fromm oder R.D. Laing – der die von Freud errichteten Grenzen der »Psychoanalytischen Bewegung« überschreitet und die wissenschaftlichen Schlußfolgerungen direkt auf die Gesellschaft anwendet. Der Lebensweg von Otto Gross zeigt eine Linie auf, die weiterhin im Zentrum der gegenwärtigen Diskussion steht: die Frage der sozialen und politischen Ausrichtung der Psychoanalyse und -therapie; die Problematik antiautoritärer Erziehung sowie die Infragestellung patriarchalischer Familien- und Gesellschaftsstrukturen. Von Freud kommt die Warnung: »Wir sind Ärzte, und Ärzte wollen wir auch bleiben!« Der Vater, der »bekannte Kriminalprofessor Hans Gross«, versucht, den unbotmäßigen Sohn entmündigen und in der Psychatrie internieren zu lassen. Mit Otto Gross verbindet sich nicht nur das Entstehen der Sozialpsychologie, er wurde selbst zum »Fall«, zum Patienten einer kranken Gesellschaft.

Von der Pubertät bis zu den Wechseljahren - Erfahrungen mit der Menstruation

autor: 
Karin Kraus, Gudrun Reinke
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In dem Buch das von Karin Kraus und Gudrun Reinke herausgegeben ist berichten insgesamt 28 Frauen über ihre Erfahrungen mit der Menstruation. Dies ist inhaltlich in vier Kapitel gegliedert, die die verschiedenen Generationen deutlich machen. Im ersten Kapitel kommen junge Mädchen zu Wort, deren Berichte vor allem um das erste Mal kreisen. Das zweite Kapitel läßt die zwanzig bis dreizigjährigen zu Wort kommen, die meist im Beruf stehen und bereits genug Erfahrung haben, wie sie mit der Monatsblutung umgehen. Das dritte Kapitel ist den dreizig bis vierzigjährigen gewidmet und das letzte den Frauen, die bereits die aktive Phase der Menstruation hinter sich gelassen haben. Eng mit der Frage des Umgangs mit der Menstruation ist auch die Einstellung zur eigenen Sexualität verknüpft, worüber von den Frauen genauso offen und ohne Tabus berichtet wird. Ein informatives Buch für Frauen jeglichen Alters, das berichtet ohne auf Talk-Show-Niveau zu enden.

Vom Sicherheitsstaat zum nationalen Wettbewerbsstaat

autor: 
Joachim Hirsch
text: 

Grundlage dieser Textsammlung sind zwei Vortragsreihen, die Hirsch 1995 und 1996 an den Universitäten in Mexico-City und in Cordoba (Argentinien) hielt.
Der Band ist wie folgt gegliedert
I. Globalisierung von Kapital, Staat und Demokratie.
II. Krise des bürgerlichen Nationalstaats.
III. Von der Klassen zur Zivilgesellschaft.
IV. Weltgesellschaft, internationale Demokratie, Internationalismus.
V. Was bleibt von linker Politik?

Das Volxküchen - Kochbuch

autor: 
Hannebambel-Kollektiv
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Für mehr Leute zu kochen, als für die Familie oder ein paar Freunde, ist manchmal gar nicht so einfach. Das Volxküchen-Kochbuch bietet Rezepte für alle, die größere Gruppen mit leckeren Mahlzeiten versorgen müssen, über 70 Rezepte, mit oder ohne Fleisch, mit verläßlichen Mengenangaben und zusätzlichen Tips. Dabei wird besonderer Wert darauf gelegt, daß aus wenig Geld viele Portionen werden.

Volksgemeinschaft statt Kapitalismus?: Zur sozialen Demagogie der Neonazis

autor: 
Clemens / Gebhardt (Hg.)
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Ob »Global dient dem Kapital – Sozial geht nur national« oder »Kapitalismus – Feind der Völker«, Neonazis gehen mit »antikapitalistischen« Parolen auf Stimmenfang. Dabei kopieren NPD und »Freie Kameradschaften« nicht nur in ihrer Agitation gegen die neoliberale Agenda 2010 linke Slogans, sondern ebenso bei der Kritik der Globalisierung. Erweitert wird dieses Spektrum durch die »Autonomen Nationalisten«, die sich als irritierende Imitation der rebellischen linken Jugendkultur geben. Gerade bei ihnen spielen »antikapitalistische« Parolen eine wichtige Rolle. Unterwürfige Mitläufer, die nach einem Führer schreien und gezielt gegen demokratische Kräfte vorgehen, inszenieren sich als Avantgarde einer völkischen Revolte gegen den »vaterlandlosen« High-Tech-Kapitalismus und recyceln die Propaganda des historischen Faschismus. Das Buch fragt nach Herkunft und Wirkung des völkischen »Antikapitalismus«, untersucht dessen soziale Demagogie und fragt nach erfolgversprechenden Gegenstrategien.

Verdammtes Mexico - Notizen aus dem Gefängnis

autor: 
Helmut Reinicke
text: 

Verdammtes Mexiko! – Im Sommer 1995 verbringt Helmut Reinicke wegen angeblichen Waffenschmuggels einige Wochen im Hochsicherheitstrakt von Tijuana. In einem Tagebuch hält er die Brutalität des Gefängnisalltags ebenso fest wie die kleinen Knastgeschichten, in denen Drogendealer, Huren, Pistoleros und politische Gefangene die Hauptrollen spielen. Berührt und fasziniert von den Erlebnissen seiner Zellengenossen, nimmt er heimlich ihre Lebensgeschichten auf einem Walkman auf und schmuggelt sie aus dem Gefängnis. Im Licht dieser Geschichten erscheint ein Bild von Mexiko, das nicht mit der offiziellen Darstellung des Demokratisierungsprozesses in Übereinstimmung zu bringen ist. Das Bild einer Gesellschaft, die von Korruption durchsetzt ist, in der der Staat als größter Drogenhändler gilt und gesellschaftliche Anerkennung für den Einzelnen nur über eine machtvolle Position im Drogengeschäft erlangt werden kann. In diesem Klima der - strukturellen- Gewalt verliert das bürgerliche Recht seine Legitimation und der Begriff des Humanismus muß neu definiert werden.

Verbotene Verhältnisse - Frauenliebe 1938-1945

autor: 
Claudia Schoppmann
text: 

Der 1. April 1940 sollte kein guter Tag für Marie W. und Lilly R. werden. Plötzlich steht die Polizei vor ihrer Tür. Die Nachbarn haben sie verpfiffen oder - wie es auf wienerisch heißt - vernadert. Beide werden festgenommen, weil sie "in dringendem Verdachte stehen, widernatürlichen Verkehr gepflogen zu haben". So steht es in einem Vermerk der Kriminalpolizeileitstelle Wien.
Anders als in Deutschland, wo lesbische Liebe nicht strafrechtlich verfolgt wurde, gab es in Österreich seit 1852 den §129I, der schweren Kerker von einem bis fünf Jahren bei "Unzucht zwischen Personen gleichen Geschlechts" vorsah.
Anhand zahlreicher Strafakten, Gerichtsprotokolle und Zeugenaussagen hat die Historikerin Claudia Schoppmann zehn Einzelschicksale herausgegriffen. In lebendig erzählten Porträts läßt sie Frauen zu Wort kommen, die bisher geschwiegen haben, und macht ein bis heute verdrängtes Kapitel der Homosexuellenverfolgung sichtbar.

Venezuela. Welcome to our Revolution

autor: 
Kollektiv p.i.s.o 16
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Dieser Willkommensgruß stammt von einem Aktivisten aus dem besetzten Kino von San Agustin, einem der unzähligen Barrios von Caracas. Ein Willkommensgruß, der symptomatisch ist -- viele Menschen begreifen den gegenwärtigen Transformationsprozess der venezolanischen Gesellschaft als ihre Revolution. Nicht als ein Projekt politischer Parteien oder des Präsidenten Hugo Chávez. Entsprechend ist auch die Bereitwilligkeit zu Veränderungen in Venezuela und die Offenheit der Diskussion darüber. Glühende VerteidigerInnen des revolutionären Prozesses scheuen sich nicht, über dessen Defizite und inneren Widersprüche zu sprechen. Und Widersprüche gibt es viele. Bereits der Versuch, die sogenannte "bolivarianische Revolution" in Kategorien zu fassen, die kompatibel zu linken Diskursen in Deutschland sind, ist schwierig: Befindet sich Venezuela bereits in einem revolutionären Transformationsprozess? Oder lässt sich die politische Realität besser als vorrevolutionäre Situation beschreiben, in der sich die gesellschaftlichen Widersprüche stetig verschärfen und in naher Zukunft zu einer weitergehenden Umwälzung führen werden? Oder sind beide Prozesse, der der Transformation wie der der Zuspitzung, gleichzeitig vorzufinden, je nach gesellschaftlichem Bereich? Und welche Bereiche sind diesen Prozessen unterworfen -- und welche (bislang) nicht?

Uebersetzungen - Lebenskonstruktionen in der zweiten Generation chilenischer Flüchtlinge

autor: 
Katharina Kaudelka
text: 

Im September 1973 zerschlug in Chile eine Militärjunta unter der Führung von Augusto Pinochet die demokratisch gewählte Regierung der Unidad Popular mit Salvador Allende als Präsidenten. Viele ChilenInnen sind damals auf der Flucht vor der brutalen Repression nach Österreich ins Exil gekommen.
Das Buch thematisiert, wie sich die Kinder dieser Flüchtlinge, die in Österreich aufgewachsen sind und heute noch hier leben, mit diesem dunklen Kapitel Chiles, mit der von den Eltern erfahrenen Gewalt und deren Vertreibung auseinandersetzen. Auf der Grundlage ausführlicher biographischer Interviews beschreibt die Autorin Herausforderungen und Probleme, die für drei junge Erwachsene damit verbunden sind, wenn sie sich um die Übersetzung der Erfahrungen der Eltern und ihrer Bedeutung in den eigenen Lebenszusammenhang bemühen.
Zwei Dinge werden an den beschriebenen Prozessen des sozialen Erbes deutlich: Einerseits die nachhaltigen Wirkungen von politischer Gewalt, die hier am Beispiel der jüngeren Geschichte Chiles besprochen werden; und andererseits grundlegende Probleme, vor denen Angehörige der Zweiten Generation von MigrantInnen stehen. Ihre soziale und kulturelle Verortung kann nicht durch die Aneignung einer einfachen und einheitlichen Geschichte gelingen.

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