Video + Diskussion: "Streiks in Italien"

Vortragender von der Gruppe Kolinko

KAPU Dachstock

Von der Flexibilisierung der Arbeit zur Flexibilisierung der Kämpfe?! Mit ähnlichen Worten kommentierte die italienische Tageszeitung „il manifesto“ die Streiks in Italien in diesem Winter. Angesichts von Entlassungen und befristeten Arbeitsverträgen, von Löhnen, die vor allem in den Großstädten kaum zum Leben reichen, von Gewerkschaften, die oft noch mithelfen, Verschlechterungen gegenüber den ArbeiterInnen durchzusetzen, entwickeln sich neue Kämpfe dieser „flexibilisierten“ ArbeiterInnen – von kleinen Auseinandersetzungen in Fabriken, Call Centern und an anderen Arbeitsorten bis hin zu landesweiten Mobilisierungen, die einen ganzen Sektor erfassen. Zwei der größeren Kämpfe wollen wir uns auf der Veranstaltung genauer ansehen: Ende 2001/Anfang 2002 lief bei der italienischen Eisenbahn ein Kampf der ReinigungsarbeiterInnen, die Züge und Bahnhöfe putzen. Die Reinigungsaufträge wurden neu ausgeschrieben mit der Vorgabe, die Kosten erheblich zu senken. Die Subunternehmen, welche die Reinigung bisher ausführten, drohten ihren ArbeiterInnen mit Entlassungen und Lohnkürzungen. Diese organisierten mehrere Streikaktionen, bei denen sie unter anderem Züge blockierten und Streikbruch verhinderten. Zu dieser Auseinandersetzung gibt es einen Augenzeugenbericht und ein halbstündiges Video italienischer AktivistInnen: Lotta sporca, Mailand 2002 OmU Während ihrer Streikaktionen Ende 2003 schafften es die BusfahrerInnen in Mailand zeitweise, der Kontrolle durch die Gewerkschaften, deren ritualisierten Streiks, die keinem weh tun, zu entgehen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Vorher hatten die Gewerkschaften einen Tarifvertrag unterschrieben, den die Unternehmer nicht mal einhielten. Der italienische Staat reagierte auf die wilden Streiks mit Repression, konnte aber nicht verhindern, dass das Mailänder Beispiel von BusfahrerInnen und anderen ArbeiterInnen vielerorts dankbar aufgenommen wurde. Es kam zu weiteren Streiks und zum Teil auch zu massenhaften Krankmeldungen... Bei der Veranstaltung soll es darum gehen, sich beide Kämpfe genauer anzuschauen. Welche Bedeutung haben sie, welche Grenzen? Wie schaffen es die so genannten prekären ArbeiterInnen, sich zu organisieren und zu kämpfen? Fragen, die uns auch hier auf den Nägeln brennen angesichts der Verschlechterungen unser Arbeitsbedingungen und Löhne, der Entlassungen und den zunehmenden Problemen auf den Ämtern... Schließlich hat uns der Kapitalismus außer Krise immer weniger zu bieten, und tobende Klassenkämpfe sind die einzige Möglichkeit, ihn zu überwinden.

FAU linz + treibsand