Zählappell. Als Arzt im Konzentrationslager

autor: 
Ladislaus Szücs
text: 

Im 82. Lebensjahr, 1991, begann Ladislaus Szücs, Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Siebenbürgen, seine Erlebnisse in deutschen Konzentrationslagern niederzuschreiben; im November 1993 schloß er das Manuskript ab. Der Autor unterzog sich in hohem Alter dieser quälenden Aufgabe vornehmlich aus zwei Motiven: um sich von der Last der Erinnerung zu befreien und um die Geschichte der Unschuldigen und Schuldigen nicht mit ins Grab zu nehmen.
Sein Buch wurde zum Requiem vieler Schicksale, jüdischer und nichtjüdischer. Was es aber über das rein Dokumentarische erhebt, ist der Ausdruck genuinen Erzähltalents, das lakonisch, stets mit erzählerischer Eigenart und mit einem noch im Grauen nicht versiegenden Humor die am eigenen Leib erlebte Zeitgeschichte vergegenwärtigt. Das Buch ist groß als Darstellung der inneren Geschichte, der Seelenzustände. Und es lehrt uns, »wie man überlebt, ohne schuldig zu werden und seine Seele zu verlieren«.
Der Herausgeber, Dr. Ernst-Jürgen Dreyer, hat den Erzähler, dessen Schulsprache das Ungarische ist, zur Niederschrift auf Deutsch ermuntert und das Manuskript schonend von sprachlichen Unsicherheiten befreit. Der Erzählduktus, die zuweilen altväterische Patina und der siebenbürgische Spracheinschlag blieben unangetastet.