ArbeiterInnenkämpfe in Italien: "Die letzten Feuer von Porto Marghera"

Filmvorstellung und Diskussion mit wildcat

KAPU (Dachstock), Kapuzinerstr. 36, 4020 Linz

In einem beispiellosen Kampfzyklus versuchte die Arbeiterklasse in Italien zwischen Mitte der 60er und Mitte der 70er Jahre "den Himmel zu stürmen" - danach begannen die Repression und die großen Niederlagen, nur kurz unterbrochen von der '77er Jugendbewegung.

"Arbeiterkampf" hieß damals: Streik, Sabotage, gemeinsam verbilligt einkaufen, organisiert die Energiepreise senken, Häuser besetzen, Angriff auf die Hierarchien in Fabrik und Gesellschaft. Aber auch die Debatten und Kämpfe rund um Frauenarbeit und Hausarbeit waren in Italien zu der Zeit am weitesten fortgeschritten (z. B. "Lohn für Hausarbeit"-Kampagnen).

Die Kämpfe in Turin (Fiat) und Mailand (Pirelli, Alfa Romeo) sind auch heute noch einigermaßen bekannt. Fast vergessen hingegen die Kämpfe im katholisch geprägten Veneto: in Conegliano, Valdagno und eben im Industriegebiet Porto Marghera, wo 2 km vom historischen Zentrum Venedigs entfernt Italiens größter Petrochemiekomplex stand. Im Veneto war eine anders als in Turin (ungelernte Bandarbeiter aus dem Süden) zusammengesetzte Arbeiterklasse am Start: Arbeiterbauern, die anfangs bereit waren, die miesen, paternalistisch geprägten
und gesundheitsschädlichen Arbeitsbedigungen zu ertragen. Die dann aber innerhalb von wenigen Jahren gleiche Lohnerhöhungen für alle erkämpften. Und sich unabhängig von der Gewerkschaft in "assemblee" organisierten.

Wir haben einen Ende 2004 fertiggestellten Film gefunden, in dem Arbeiter (Arbeiterinnen gab es in Porto Marghera zu der Zeit praktisch keine) selber über diese Erfahrungen berichten. Bereits das macht den Film schon einzigartig, denn sonst reden immer nur Intellektuelle über die ArbeiterInnen. Aber der Film bringt noch mehr: Die Arbeiter thematisieren darin ihren Kampf gegen die gesundheitsschädliche Arbeit. Die Kämpfe in Porto Marghera sind eins der wenigen Beispiele, wo - zumindest für ein paar Jahre - der Kampf gegen die kapitalistische Arbeit und der Kampf gegen die kapitalistische Umweltzerstörung Hand in Hand gingen.
Wir haben den Film in Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch untertitelt. In unseren Referaten stellen wir den historischen Zusammenhang her, arbeiten Begriffe raus, die unserer Ansicht nach auch heute noch von großer Bedeutung sind, und gehen auf Fragen ein, vor denen wir auch heute noch stehen. Wir hoffen auf lebendige Diskussionen!

http://www.wildcat-www.de/

Eine Veranstaltung des Infoladen Treibsand